Wie sichern wir Jazz und Improvisierte Musik? Zwischen Prekarität, Struktur, Politik und Perspektiven
Die Arbeitsrealität vieler Jazzmusiker*innen und freier Akteur*innen ist nach wie vor von besonderen Herausforderungen geprägt. Unregelmäßige Einkommen, projektbasierte Arbeitsweisen und Fragen der sozialen Absicherung erschweren vielerorts eine langfristige künstlerische Entwicklung. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass nachhaltige Rahmenbedingungen eine wichtige Voraussetzung für ein vielfältiges und abgesichertes Musiker*innenleben sind.
Auf kulturpolitischer Ebene wird daher zunehmend über zukunftsfähige Förderstrukturen diskutiert. Neben projektbezogenen Mitteln gewinnen Instrumente der Strukturförderung auf Bundes- und Länderebene an Bedeutung, um kontinuierliche künstlerische Arbeit, institutionelle Stabilität und faire Arbeitsbedingungen langfristig zu stärken. Einerseits eröffnet das neue Perspektiven, andererseits stellt sich die Frage, wie diese Ansätze weiterentwickelt werden können, damit sie den tatsächlichen Arbeitsrealitäten im Jazz noch besser gerecht werden.
Das Panel bringt Vertreter*innen aus Politik sowie Akteur*innen der Jazzszene zusammen und eröffnet einen Raum für Austausch und Diskussion. Dabei sollen sowohl bestehende Förderinstrumente als auch erfolgreiche Entwicklungen, konkrete Handlungsbedarfe und zukünftige Perspektiven in den Blick genommen werden.
Im Fokus stehen Fragen wie: Welche strukturellen Veränderungen braucht es, um die Arbeitsbedingungen im Jazz nachhaltig zu verbessern? Wie können Bund, Länder und Kommunen noch wirkungsvoller zusammenarbeiten? Und welche Rolle spielen dabei Interessenvertretungen, Kulturinstitutionen und die Szene selbst?
Das Panel lädt dazu ein, aktuelle Entwicklungen einzuordnen, voneinander zu lernen und gemeinsam Perspektiven für eine nachhaltige, gerechte und zukunftsfähige Förderlandschaft im Jazz zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kulturpolitik und Szene gemeinsam die Voraussetzungen dafür schaffen können, dass künstlerische Arbeit langfristig entstehen und wirken kann.
Panel-Teilnehmer*innen
Dr. Carsten Brosda (Senator für Kultur und Medien Hamburg, SPD)
Vita
David Schliesing (Die Linke)
David Schliesing wurde 1983 in Osterburg in der Altmark geboren und wuchs in Berlin auf. Seit seiner Kindheit beschäftigt er sich mit Kunst, die später auch zu seinem Beruf wurde. Nach dem Abitur am Wilhelm-von-Siemens-Gymnasium Berlin-Marzahn studierte er zunächst Germanistik und Philosophie in Potsdam, bevor er Theaterregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin absolvierte. Anschließend arbeitete er viele Jahre als Schauspieldramaturg an verschiedenen Theatern, unter anderem in Mainz, Bonn und Magdeburg.
Seit 2020 ist David Schliesing Mitglied der Partei Die Linke und wurde 2025 in den Deutschen Bundestag gewählt. Dort ist er Obmann im Ausschuss für Kultur und Medien sowie medienpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke.
Awet Tesfaiesus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Awet Tesfaiesus ist studierte Juristin und führte von 2006 bis zu ihrem Eintritt in den Deutschen Bundestag eine Rechtsanwaltskanzlei in Kassel. Seit 2021 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und seitdem Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien sowie im Rechtsausschuss.
Seit Mai 2026 ist sie zudem Sprecherin für Kultur und Medien der Grünen Bundestagsfraktion. In der 21. Wahlperiode ist sie zuätzlich stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, im Unterausschuss Europarecht und im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik.
Ein besonderer Fokus ihrer parlamentarischen Arbeit liegt auf kultur- und medienrechtlichen Themen. Dazu gehören unter anderem die rechtlichen Rahmenbedingungen für Künstliche Intelligenz, ein zeitgemäßes und faires Urheberrecht sowie die Verbesserung der Arbeits- und Rahmenbedingungen für Kultur- und Medienschaffende.
Michael Hose (CDU/CSU), tbc
Vita
Prof. Janning Trumann
Janning Trumann ist 1990 in Uelzen in Niedersachsen geboren. Er ist Posaunist, Festivalmacher und Hochschullehrer. Er studierte Musik in Köln und New York und ist mit seinen Ensembles europaweit unterwegs. Seit 2016 ist er Vorsitzender der Kölner Jazzkonferenz e.V., der politischen Interessenvertretung der Kölner Jazzszene. Darüber hinaus ist er im Vorstand der Initiative Kölner Jazzhaus e.V. und Mitglied im Kulturausschuss der Stadt Köln.
Camille Buscot (Moderation)
Camille Buscot war von Dezember 2022 bis April 2024 Geschäftsführerin der IG Jazz Berlin. Die in Deutschland geborene Französin hat 2020 ihren Master in Kulturwissenschaft (Bachelor: Kulturwissenschaft und Kunst- und Bildgeschichte) an der Humboldt-Universität zu Berlin abgeschlossen. 2016 ist sie durch ihre Tätigkeit bei der Deutschen Jazzunion zur Jazz- und Improvisationsszene sowie zur kulturpolitischen Arbeit gekommen. Dort war sie (2020-2023) als Leiterin Kommunikation & Netzwerke tätig und ist anschließend zum 1. Mai 2024 als Geschäftsführerin zur Deutschen Jazzunion zurückgekehrt.