Wie sichern wir Jazz und Improvisierte Musik? Zwischen Prekarität, Struktur, Politik und Perspektiven
Unregelmäßige Einkommen, projektbasierte Arbeitsweisen sowie Fragen der sozialen Absicherung sind die Arbeitsrealität vieler Jazzmusiker*innen und freier Akteur*innen. Diese Herausforderungen erschweren vielerorts eine langfristige künstlerische Entwicklung. Gleichzeitig wächst jedoch das Bewusstsein dafür, dass nachhaltige Rahmenbedingungen eine wichtige Voraussetzung für ein vielfältiges und abgesichertes Musiker*innenleben sind.
Auf kulturpolitischer Ebene wird zunehmend über zukunftsfähige Förderstrukturen diskutiert: Neben projektbezogenen Mitteln gewinnen Instrumente der Strukturförderung auf Bundes- und Länderebene an Bedeutung, um kontinuierliche künstlerische Arbeit, institutionelle Stabilität und faire Arbeitsbedingungen langfristig zu stärken. Das eröffnet zwar neue Perspektiven, jedoch stellt sich parallel die Frage, wie diese Ansätze weiterentwickelt werden können, damit sie die tatsächlichen Arbeitsrealitäten in Jazz und Improvisierter Musik noch stärker Rechnung tragen.
Dieses Panel eröffnet einen Raum für Austausch und bringt Vertreter*innen aus Politik sowie Akteur*innen der Jazzszene zusammen. Gemeinsam nehmen sie bestehende Förderinstrumente in den Blick und besprechen erfolgreiche Entwicklungen, konkrete Handlungsbedarfe sowie zukünftige Perspektiven. Welche strukturellen Veränderungen braucht es, um die Arbeitsbedingungen in Jazz und Improvisierter Musik nachhaltig zu verbessern? Wie können Bund, Länder und Kommunen noch wirkungsvoller zusammenarbeiten? Welche Rolle spielen dabei Interessenvertretungen, Kulturinstitutionen und die Szene selbst?
Fragen, die dazu einladen, voneinander zu lernen und ein gemeinsames Bewusstsein für eine nachhaltige, gerechte Förderlandschaft im Jazz zu schaffen. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die gemeinsame Aufgabe von Kulturpolitik und Szene, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass künstlerische Arbeit langfristig entstehen und wirken kann.
Programmübersicht → Jazz Now! 2026
Donnerstag, 1. Oktober 2026 – 16:50 Uhr bis 18:20 Uhr – Raum: JazzHall
Panel-Teilnehmer*innen
Dr. Carsten Brosda (Senator für Kultur und Medien Hamburg, SPD)
Geboren 1974 in Gelsenkirchen, studierte Dr. Carsten Brosda Journalistik und Politikwissenschaft an der Universität Dortmund und promovierte dort zum Thema „Diskursiver Journalismus“. Nach einem Volontariat bei der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung war er von 2000 bis 2005 im SPD-Parteivorstand tätig. Anschließend leitete er bis 2009 das Referat Reden, Texte und Analysen im Bundesministerium für Arbeit und Soziales und war 2010/11 Abteilungsleiter Kommunikation beim SPD-Parteivorstand.
Von 2011 bis 2016 leitete er das Amt Medien in der Hamburger Senatskanzlei und war ab 2013 zudem Bevollmächtigter des Senats für Medien. Nach seiner Tätigkeit als Staatsrat ist er seit Februar 2017 Senator der Hamburger Behörde für Kultur und Medien. Seit November 2020 ist er außerdem Präsident des Deutschen Bühnenvereins.
David Schliesing (Die Linke)
David Schliesing wurde 1983 in Osterburg in der Altmark geboren und wuchs in Berlin auf. Seit seiner Kindheit beschäftigt er sich mit Kunst, die später auch zu seinem Beruf wurde. Nach dem Abitur am Wilhelm-von-Siemens-Gymnasium Berlin-Marzahn studierte er zunächst Germanistik und Philosophie in Potsdam, bevor er Theaterregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin absolvierte. Anschließend arbeitete er viele Jahre als Schauspieldramaturg an verschiedenen Theatern, unter anderem in Mainz, Bonn und Magdeburg.
Seit 2020 ist David Schliesing Mitglied der Partei Die Linke und wurde 2025 in den Deutschen Bundestag gewählt. Dort ist er Obmann im Ausschuss für Kultur und Medien sowie medienpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke.
Awet Tesfaiesus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Awet Tesfaiesus ist studierte Juristin und führte von 2006 bis zu ihrem Eintritt in den Deutschen Bundestag eine Rechtsanwaltskanzlei in Kassel. Seit 2021 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und seitdem Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien sowie im Rechtsausschuss.
Seit Mai 2026 ist sie zudem Sprecherin für Kultur und Medien der Grünen Bundestagsfraktion. In der 21. Wahlperiode ist sie zuätzlich stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, im Unterausschuss Europarecht und im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik.
Ein besonderer Fokus ihrer parlamentarischen Arbeit liegt auf kultur- und medienrechtlichen Themen. Dazu gehören unter anderem die rechtlichen Rahmenbedingungen für Künstliche Intelligenz, ein zeitgemäßes und faires Urheberrecht sowie die Verbesserung der Arbeits- und Rahmenbedingungen für Kultur- und Medienschaffende.
Prof. Janning Trumann (Jazzmusiker und Vorstand Deutsche Jazzunion)
Janning Trumann ist 1990 in Uelzen in Niedersachsen geboren. Er ist Posaunist, Festivalmacher und Hochschullehrer. Er studierte Musik in Köln und New York und ist mit seinen Ensembles europaweit unterwegs. Von 2016 bis 2021 war er außerdem Vorsitzender der Kölner Jazzkonferenz e.V. – der politischen Interessenvertretung der Kölner Jazzszene. Darüber hinaus ist er im Vorstand der Initiative Kölner Jazzhaus e.V. und Mitglied im Kulturausschuss der Stadt Köln.
Réka Csorba (Geschäftsführerin Jazzbüro Hamburg)
Réka Csorba (*1977 in Potsdam) ist eine erfahrene Juristin und Kulturmanagerin sowie Expertin für die strategische Umsetzung neuer Themenfelder. Nach ihrem Jurastudium in Deutschland und Frankreich arbeitete sie in verschiedenen Funktionen für ein internationales Unternehmen, bevor sie der Leidenschaft für Musik folgend einen Master im Kultur- und Medienmanagement in Hamburg absolvierte und in den Kulturbereich wechselte.
Nach mehreren Jahren als Geschäftsführerin eines Hamburger Stadtteilkulturzentrums und als Vorständin bei Stadtkultur Hamburg leitet sie nun seit 2020 das Jazzbüro Hamburg – Dachverband, Netzwerk und Interessenvertretung der Hamburger Jazzszene. Projekte wie das Jazz Open Hamburg Festival, der Jazz Moves Kalender, der Hamburger Jazzpreis, die Kuration einer Hamburg Stage beim Elbjazz Festival und weitere Arbeitsbereiche fördern die Sichtbarkeit der vielfältigen Hamburger Jazzszene. Darüber hinaus unterstützt das Jazzbüro die Hamburger Jazzszene auch strukturell, zum Beispiel mit Vernetzungsformaten im In- und Ausland oder auch einem Gagenaufstockungstool für Hamburger Jazzmusiker*innen.
Camille Buscot (Moderation)
Camille Buscot war von Dezember 2022 bis April 2024 Geschäftsführerin der IG Jazz Berlin. Die in Deutschland geborene Französin hat 2020 ihren Master in Kulturwissenschaft (Bachelor: Kulturwissenschaft und Kunst- und Bildgeschichte) an der Humboldt-Universität zu Berlin abgeschlossen. 2016 ist sie durch ihre Tätigkeit bei der Deutschen Jazzunion zur Jazz- und Improvisationsszene sowie zur kulturpolitischen Arbeit gekommen. Dort war sie (2020-2023) als Leiterin Kommunikation & Netzwerke tätig und ist anschließend zum 1. Mai 2024 als Geschäftsführerin zur Deutschen Jazzunion zurückgekehrt.
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