The Art of Listening: Wie wir Resonanzräume für neues Publikum schaffen
Die Frage, wie Jazz heute sein Publikum erreicht, gehört zu den zentralen Herausforderungen der aktuellen Musik- und Kulturarbeit. Während sich gesellschaftliche Strukturen, Freizeitverhalten und kulturelle Teilhabe zunehmend verändern, steht auch die Jazzszene vor der Aufgabe, bestehende Publika zu halten und gleichzeitig neue Zielgruppen zu erschließen.
Audience Development beschreibt weit mehr als reine Marketingstrategien. Es geht um langfristige Beziehungsarbeit, um Zugänge, Repräsentation und die Frage, wie relevant und anschlussfähig Jazz in einer diversen Gesellschaft sein kann. Wer fühlt sich angesprochen und wer nicht? Welche Barrieren bestehen (z. B. sozial, ökonomisch, ästhetisch oder institutionell)? Und welche Verantwortung tragen Institutionen, Festivals und Akteur*innen?
Das Panel nimmt den aktuellen Wissensstand im Bereich Audience Development im Jazz in den Blick und diskutiert, welche Erkenntnisse bereits vorliegen und wo noch Leerstellen bestehen. Ausgangspunkt sind unter anderem aktuelle bundesweite Untersuchungen und Praxisbeispiele, sowie konkrete Festivalformate (z. B. Osterfestspiele Salzburg/Come Closer Weimar), die gezielt neue Zugänge und Zielgruppen erproben.
Im Austausch zwischen Forschung und Praxis sollen Ansätze, aber auch strukturelle Herausforderungen sichtbar gemacht werden. Welche Strategien funktionieren tatsächlich nachhaltig? Wo stoßen Projekte an ihre Grenzen? Und wie kann Audience Development im Jazz langfristig gedacht und verankert werden?
Das Panel lädt dazu ein, bestehende Perspektiven zu hinterfragen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam darüber nachzudenken, wie eine offenere, vielfältigere und zukunftsfähige Publikumsentwicklung im Jazz aussehen kann.
Panel-Teilnehmer*innen
Dr. Thomas Renz
Dr. phil. Thomas Renz (*1979) ist Kulturwissenschaftler. Seit 2020 forscht er am Institut für Kulturelle Teilhabeforschung in der Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung (SKWK) in Berlin zu Fragen der strategischen Publikumsentwicklung von Kultureinrichtungen und -verwaltungen. Von 2017 bis 2020 wirkte er als kaufmännischer Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Stadttheaters Peiner Festsäle – Kulturring Peine e. V. Von 2010 bis 2017 lehrte und forschte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim.
Er lehrt an mehreren deutschen Hochschulen und ist Co-Sprecher der Arbeitsgruppe Methoden im Fachverband Kulturmanagement e. V. sowie des Arbeitskreises Kultur und Kulturpolitik in der Gesellschaft für Evaluation (DeGEval).
Karla Hirsch
Karla Hirsch studierte Englische und Französische Literaturwissenschaft in Augsburg und Edinburgh und war anschließend als Eventmanagerin im Development-Team der Bayerischen Staatsoper tätig. 2017 übernahm sie die Leitung der Development-Abteilung und verantwortete diese bis 2021.
Seit 2022 berät sie als freie Kulturmanagerin verschiedene Kulturinstitutionen, darunter die Osterfestspiele Salzburg und die Akademie des BR-Symphonieorchesters, in den Bereichen Fundraising und Kommunikation. Im Studiengang Kulturmanagement an der Hochschule für Musik und Theater München lehrt sie seit 2018 das Fach Audience Development.
Neben ihrer Tätigkeit als Kulturmanagerin arbeitet Karla Hirsch als Texterin und ist im englischsprachigen Raum als Autorin tätig.
Jordan White
Der australische E-Gitarrist, Komponist und Organisator Jordan White lebt seit Ende 2023 in Köln. Er leitet das White-Reznichenko Quintett, kuratiert das Festival und die Konzertreihe „Come Closer“ in Weimar und unterrichtet in Köln und Krefeld.
Er studierte Jazz und Neue Musik in Melbourne und Weimar, trat in Australien, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz auf, war aktives Mitglied des Ausländerbeirats in Weimar und leitete die Produktion des Festivals „Yiddish Summer Weimar“. White arbeitet mit E-Gitarre, SuperCollider und eigenen erweiterten Spieltechniken und Stimmungen, um auf seine Weise Jazz, Improvisation und Elektroakustik zu verbinden. Jordan war von 2022 bis 2025 Mitglied im Kuratorium des Musikfonds und war Jurymitglied des Deutschen Jazzpreises für 2026. “Music for Imaginary Spaces” wurde im Mai 2026 veröffentlicht und sein nächstes album, mit dem White-Reznichenko Quintett, wird im November 2026 veröffentlicht.
Kathrin Pechlof (Moderation)
Kathrin Pechlof ist Musikerin und seit 25 Jahren bundesweit sowie international künstlerisch tätig. Ihre Arbeit ist durch zahlreiche Veröffentlichungen und in Rundfunkaufzeichnungen dokumentiert. 2023 wurde sie mit dem SWR Jazzpreis ausgezeichnet. Parallel dazu ist sie seit 2016 in unterschiedlichen Funktionen an der Entwicklung eines „House of Jazz – Zentrum für Jazz und improvisierte Musik (AT)“ beteiligt. Sie wirkte maßgeblich an der Erarbeitung erster konzeptioneller Grundlagen mit und verantwortet aktuell die Konzeption sowie die strategische Ausrichtung der Pilotphase. Damit übernimmt sie zentrale Aufgaben einer künftigen künstlerisch-strategischen Leitung. Dabei ist ihr wichtig, die Perspektive als aktive Musikerin in alle Prozesse einzubringen – sowohl inhaltlich konzeptionell als auch in der Kommunikation mit Politik und Verwaltung.