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Vier Fragen an…

Peter Ortmann

Anlässlich des 50. Jubiläums der Deutschen Jazzunion präsentieren wir an dieser Stelle Personen, die die Entwicklung unseres Verbands als „Sprachrohr der Jazzmusiker*innen in Deutschland“ geprägt haben.

Heute stellen wir Dir Peter Ortmann vor. Peter ist Jazzpianist und war Vorstandsmitglied (1978-2002) und Geschäftsführer (1988-1997) der Union Deutscher Jazzmusiker.

Wenn Du Dich in drei Sekunden vorstellen müsstest: Wer ist Peter Ortman?

Ich verstehe mich als Jazzpianist. Bin aktiv im Jazzpool Lübeck e.V. . Habe ein eigenes Trio (trioPLUS), darüber hinaus organisiere ich als aktuelle regelmäßige Projekte: die Hanse Jazz Connection (musikalische Partnerschaften zwischen befreundeten Hansestädten), das Hanseatic Reunion Quartet und das Free Jazz Ensemble „Kollektiv N“.

Was sind Deine persönlichen Meilensteine in der Geschichte der Deutschen Jazzunion?

Ich bin Mitglied in der damaligen UDJ im Jahre 1974 geworden, also kurz nach Gründung. War mehrere Jahre Vorstandsmitglied, später auch Geschäftsführer. Tja, produktive und effektive Zeit waren die Jahre der regelmäßigen Jazzforen (Liste siehe: 25 Jahre UDJ), die durch die Republik wanderten und in den lokalen Szenen und in den gerade neugegründeten Landesarbeitsgemeinschaften Jazz ihre kulturpolitischen Spuren hinterließen. Es kam dadurch zu Gründungen von Jazzinitiativen und zur stärkeren kommunal- wie landespolitischen Wahrnehmung des Jazz, seiner Musikerinnen und Musiker.

Haben sich die Arbeit und das Wirken der Deutschen Jazzunion über die Jahrzehnte verändert? Wenn ja, wie?

Generationswechsel und Neuanfang waren überfällig. Höchste Zeit für einen neuen kultur- und berufspolitisch orientierten Kurs, den ich persönlich gerne unterstützt habe. Hin zur jetzigen DJU.

Welche Aufgaben und Herausforderungen warten auf die Deutsche Jazzunion heute und in Zukunft?

Die bessere und angemessene Berücksichtigung und folglich Erhöhung des Renten- und Krankenversicherungsniveaus z.B. durch die Künstlersozialkasse. Sowie die Durchsetzung von Mindesthonorarstandards als sozialpolitisch mehr als gerechtfertigte Bedingung insbesondere durch die öffentlichen Förderangebote wie auch innerhalb der privaten Bemühungen z.B. durch Stiftungen.

Vier Fragen an…

Vier Fragen an…

Claus Schreiner

In diesem Jahr feiern wir bekanntlich das 50. Jubiläum der Deutschen Jazzunion, und aus diesem Anlass präsentieren wir an dieser Stelle Personen, die die Entwicklung des Verbands als „Sprachrohr der Jazzmusiker*innen in Deutschland“ geprägt haben.

Heute stellen wir Dir Claus Schreiner vor. Claus ist Musikmanager im Ruhestand und war Gründungsgeschäftsführer der damaligen Union Deutscher Jazzmusiker.

Wenn Du Dich in drei Sekunden vorstellen müsstest: Wer ist Claus Schreiner?

Pensionär und Autor, früher: Musiker, Manager, Produzent, Verleger, Rundfunk-Host, Labelchef, Musik-Publizist u.v.a

Was sind Deine persönlichen Meilensteine in der Geschichte der Deutschen Jazzunion?

Seit 1967 war ich Manager/Booker diverser deutscher Jazzgruppen (Mangelsdorff, Schoof, die Kühns, Doldinger u.v.a.) und kannte das Dilemma vieler Musiker in Hinsicht auf ihre Jobsituation, soziale Absicherung, Krankheit und Rente u.s.w. Daher hatte ich die zwingende Idee, alle Musiker in Deutschland nach Marburg einzuladen, um über diese Themen zu sprechen und Lösungswege zu erkunden. Eine Vorbereitungsgruppe traf sich im Januar 1973 in Marburg und bereitete das große Treffen im Rahmen des ersten Jazzforums für den Juni 1973 in Marburg vor. Das habe ich organisiert und als erster Geschäftsführer der UDJ fünf Jahre lang fortgeführt, bis es mit neuen Geschäftsführern in wechselnden Städten im Rahmen der Jahrestreffen stattfand.

Haben sich die Arbeit und das Wirken der Deutschen Jazzunion über die Jahrzehnte verändert? Wenn ja, wie?

Das kann ich als Außenstehender nur vage beurteilen, zumal es ja irgendwann eine Art Tiefschlafphase der UDJ gegeben haben muss, in der wenig passiert war. Wir hatten ja auch in den ersten Jahren durch Gespräche mit Gema, Gewerkschaften, Behörden u.a. schon viel angestoßen. Wir, d.h. die Musiker im Vorstand haben uns oft in Bahnhofsgaststätten oder bei mir im Büro getroffen, hatten kaum Geld, die Fahrtkosten zu tragen, und jeder hatte seine Aufgaben – aber auch verschiedene Positionen wurden deutlich. Wir waren erst am Anfang, nachdem den Jazz eigentlich bis dato nur die Deutsche Jazz Föderation mit Wolfram Röhrig, Horst Lippmann oder Joe Berendt in ihrem Kampf um die Anerkennung dieser Musik in einer Nachkriegsgesellschaft repräsentiert hatten. Sie schickten die Musiker noch im Smoking auf die Bühne, und mit der UDJ kamen sie in T-Shirts – die waren schon kompatibler mit ihrem Einkommen und ihrer sozialen Situation. Es war der Wechsel von den Jazzfunktionären zur Selbsthilfe der Musiker, wobei auch Rundfunkleute und Jazzkritiker anfangs in der UDJ waren, was mir bei aller Freundschaft zu vielen von ihnen ein bisschen widersprüchlich erschien. Jetzt haben die Musiker mit der Jazzunion eine breitere Basis, Organisation, angestellte Mitarbeiter, einen richtigen Apparat, und ein Vielfaches der damaligen nur spärlich fließenden Mitgliedsbeiträge und zusätzlich staatliche Förderungen, Mitgliedschaften in wichtigen Gremien. Die Musiker werden mehr als früher gehört. Ob das zur Verbesserung ihrer beruflichen und sozialen Situation bisher beigetragen hat, muss analysiert werden.

Welche Aufgaben und Herausforderungen warten auf die Deutsche Jazzunion heute und in Zukunft?

Ich sehe ein gewisses Risiko, dass die Jazzunion ihre Bodenhaftung verlieren könnte. Schon jetzt werden für meinen Geschmack zu viele Honorar-Professorentitel vor die musikalische Kreativität gesetzt, als ob diese ein Kriterium für Qualität oder Anerkennung wären. Sicher ist es gut, wenn dem Pioniergeist der 70er inzwischen professionelle Strukturen folgten. Das kann zielführender sein, als manche Diskussionen der Gründerzeit, die nicht nur von Unkenntnis oder Mangel an Erfahrung im Umgang mit dem Staat und vielen Einrichtungen, und auch dem Mangel an Zeit der hauptberuflichen Musikern im Vorstand und manchen Konkurrenzen zwischen ihnen geprägt war. Die Jazzunion darf keine Gewerkschaft oder Partei wie andere werden, sie muss so professionell wie möglich sein, sollte aber ihren Spirit, ihre Wurzeln nie vergessen. Ich denke, sie muss sich von anderen gleichartigen Einrichtungen insofern unterscheiden, als ihr selbst auch die individuelle Bewegung und die Kreativität, das Improvisatorische und, um es mit Albert zu sagen, das ‚Swingende‘ nicht verloren gehen darf.

Vier Fragen an…

Vier Fragen an…

Manfred Schoof

An dieser Stelle präsentieren wir Dir gewöhnlich Menschen, die sich für die Deutsche Jazzunion und die Jazzszene in Deutschland engagieren. Heute stellen wir Dir Manfred Schoof vor. Manfred ist Trompeter, Komponist und u.a. Ehrenvorsitzender der Deutschen Jazzunion.

Wenn Du Dich in drei Sekunden vorstellen müsstest: Wer ist Manfred Schoof?

Ich bin ein Jazzmusiker.

Was sind für Dich die Meilensteine der Deutschen Jazzunion?

Das ist die Gründung der Union Deutscher Jazzmusiker in den 70er Jahren als Vorstufe zur Deutschen Jazzunion. Die Neuorientierung der Union Deutscher Jazzmusiker mit Julia Hülsmann und ihrem damaligen Vorstand.

Hat sich die Arbeit/das Wirken der Deutschen Jazzunion über die Jahrzehnte verändert? Wenn ja, wie?

Die Deutsche Jazzunion hat sich in den vergangenen Jahren im deutschen Kulturleben einen beachteten, anerkannten Platz erkämpft. Ich denke eine vergleichbare Organisation gibt es in keinem anderen Land – eine großartige Leistung!

Welche Aufgaben warten auf die Deutsche Jazzunion momentan und in den nächsten Jahren?

Die Deutsche Jazzunion wird sich in den kommenden Jahren auf Einflüsse anderer Interessengemeinschaften, auch Neid und Missgunst, einstellen müssen, sich erwehren müssen. Aber mit dem derzeitigen Vorstand, der sich in selbstbewusster Weise im deutschen Kulturleben behauptet und mit dem tüchtigen Urs Johnen einen tollen Geschäftsführer hat, wird sich die Zukunft für die Deutschen Jazzunion positiv weiterentwickeln.

Vier Fragen an…